Eine Heldin für alle Frauen

Eineinhalb Jahre Vorbereitung, sechs Monate Dreharbeiten, 28 Tage Expedition – mit einem Ziel: Die erste afghanische Frau auf den Gipfel des höchsten Berg Afghanistans zu bringen. Die Anstrengung hat sich gelohnt. Hanifa Youssefi, 24 Jahre alt, hat es an die Spitze geschafft, auf knapp 7500 Meter. Lange mussten die Details der Expedition aus Sicherheitsgründe geheim gehalten werden. Aber nun, da das Team sicher wieder zu Hause angekommen ist, will Hanifa die Welt wissen lassen: „Ich will eine Heldin für alle Frauen sein.“ Theresa Breuers Reportage über die Expedition und ihr Film „An Uphill Battle“ erscheinen in den kommenden Monaten.

An Uphill Battle

Seit zwei Jahren arbeiten Weltreporterin Theresa Breuer und die amerikanische Fotografin Erin Trieb an einem Dokumentarfilm über das erste weibliche Bergsteigerteam Afghanistans. Die jungen Frauen haben sich vorgenommen, was bisher noch keine Afghanin vor ihnen wagte: Sie wollen den höchsten Berg des Landes erklimmen. Mount Noshaq ist 7500 Meter hoch und selbst für Bergsteigerprofis eine Herausforderung.

Zudem werden Frauen, die in Afghanistan Sport treiben, sozial geächtet und müssen sich immer wieder gegenüber ihrer Familie und deren Umfeld behaupten. Um die einmalige Expedition zu begleiten, trainieren Breuer und Trieb seit fast zwei Jahren.

Wer das Projekt „An Uphill Battle“ unterstützen will, kann das hier tun: https://www.kickstarter.com/projects/erintrieb/an-uphill-battle#

 

10. 12. Kabuli Palao aus Afghanistan

Kabuli Palao bedeutet “Kabuler Reisgericht” und ist das afghanische Nationalessen. Es darf auf keiner Festtafel fehlen.

In der Zeit, in der ich in Afganistan gelebt habe, war ich Mitbetreiberin des Restaurants „Sufi“ in Kabul, das es sich bis heute zum Ziel gesetzt hat, die traditionelle afghanische Küche zu erhalten (die wie alles unter dem langen Bürgerkrieg und der daraus folgenden Verarmung weiter Teile der Bevölkerung sehr gelitten hat). (mehr …)

Blindes Vertrauen

Starker Andrang altbackener Medien auf WikiLeaks-Boss Julian Assange, der sich im Norden vom Verfolgungsdruck des Pentagons entspannt. Die Militärs hätten ihm statt der angefragten Hilfe bei der Sichtung der über 90.000 Dokumente des kürzlich veröffentlichten  „Afghan War Diary“ eine Liste von Forderungen übersandt, klagt der Australier: Er möge das bereits munter zirkulierende Material löschen, auf künftige Publikationen von als geheim gestempelten Dokumenten verzichten und generell die Zusammenarbeit mit Informanten im Dienst der US-Streitkräfte einstellen.

Dass die Namen “unschuldig Beteiligter“ an die Öffentlichkeit gerieten, will Assange nicht ausschließen. Solche Fehler seien auch bei “vergleichbar voluminösen Projekten” wie etwa der “Aufarbeitung der Stasi-Akten” unterlaufen. Für die kritisierte Veröffentlichung von Klarnamen gäbe es allerdings auch gute Gründe, wehrt sich Assange. Wenn sich etwa örtliche Journalisten oder Offizielle vom US-Militär bestechen ließen, hätten die Afghanen ein Recht darauf, dies zu erfahren.   

Die publizistische Sorgfaltspflicht nehme man durchaus ernst. Aus diesem Grund würden in Kürze auch 15.000 weitere Dokumente mit besonders sensiblen Hinweisen auf die Quellen nachgereicht. Dieses Material habe seine kleine, wenn auch rapide wachsende Organisation nämlich erst einmal Zeile um Zeile auf denkbare Gefährdungen abklopfen müssen.

Auch die Sicherheit der eigenen Informanten wird WikiLeaks nicht garantieren können, solange die Internetplattform einen Großteil ihres traffics über schwedische Server abwickelt, warnen indessen Rechtsexperten wie Anders Olsson. Um vom legendären Quellenschutz im selbst ernannten Musterland der Pressefreiheit  zu profitieren, müsse die flüchtige Organisation nämlich erst einmal einen Verantwortlichen mit fester Adresse benennen.

Er sei bemüht, solche Zweifel auszuräumen, sagt Assange mit sanfter Stimme. Ohnehin sei man auf den Umgang mit Organisationen eingestellt, die sich von Recht und Gesetz traditionell kaum beeindrucken ließen. Man darf vermuten, dass ihm die Tunneldienste schwedischer Hacker-Kollegen mehr Vertrauen einflößen als Schwedens stolzes Presserecht aus dem Jahre 1766.

Korruption in Afghanistan oder: Gemüsesuppe ohne Gemüse

Viele meiner Leser wissen vermutlich nicht, dass ich schon vor Beginn der Medienkrise meine Geschäftsbasis diversifiziert habe. Sprich: Ich bin Partnerin im Kabuler Restaurant ‘Sufi’,

das wir 2004 gegründet haben. Das ist eine schöne Sache und macht Spaß, ist aber auch nicht ohne Schwierigkeiten – vor allem wenn die Inhaber längere Zeit nicht da sind. So mancher Manager ist schon mit den Einnahmen eines guten Abends auf Nimmerwiedersehen verschwunden.

 

Gestern jedoch mussten wir feststellen, dass die Korruption in Afghanistan ungeahnte Ausmaße angenommen hat. Wir bestellten abends als Vorspeise eine Gemüsesuppe (Persisch’ ‘Shorba-e-tarkari’) doch was uns der Kellner servierte war eine klare Brühe. Wir blickten uns ratlos an. ‘Wo ist das Gemüse’, fragten wir den Mann, der peinlich berührt zu Boden schaute. Wir schickten ihn in die Küche zurück, damit er die Brühe um die übliche Einlage (Karoffeln, Karotten und Koriandergrün) ergänze.

Es war noch recht früh am Abend und das Restaurant war nicht voll. Eigentlich hätte man den Auftrag in wenigen Minuten erledigen können, doch es dauerte 20 Minuten bis der Kellner zurückkam. In der Suppe schwammen einige winzige Stückchen Kartoffeln und man schmeckte deutlich, dass diese nicht in der Brühe gekocht worden waren, sondern in Wasser. Deshalb hatte es so lange gedauert.

Nun wurde es uns zu bunt. Wir riefen den Oberkellner, der etwas beschämt an unseren Tisch trat. Er druckste rum. Schließlich rückte er mit der Wahrheit raus: ‘Das Gemüse hat der Koch selbst gegessen.’ Wir mussten laut lachen. Warum sollte es uns anders ergehen als den internationalen Geldgebern mit der Regierung Karzai. Man muss seinen Leuten schon regelmäßig auf die Finger schauen wenn man ein schmackhaftes Mahl serviert bekommen will.

 

Der Auslandskorrespondent als Hochleistungssportler

Normalerweise ziehe ich gut dreimal pro Woche beim Joggen meine Runden. Letzte Woche war es lediglich ein Spurt auf dem Rotterdamer Bahnsteig, um in allerletzter Sekunde doch noch den Zug nach Den Haag zu erwischen. Dennoch kam ich mir vor wie ein Hochleistungssportler – mit dem Unterschied, dass Auslandskorrespondenten Allrounder sein müssen und sich besser nicht spezialisieren sollten.

Das liegt nicht nur an Hollands Eislaufstar Sven Kramer, der in Vancouver bei den 10 Kilometern von seinem Trainer auf die falsche Bahn geleitet und disqualifiziert wurde, obwohl er Olympischen Rekord gelaufen war – ein menschlicher Fehler mit allen Ingredienzen einer griechischen Tragödie, die die gesamte Nation tagelang in Schockzustand versetzte. Jetzt lieben alle Kramer noch viel mehr als zuvor, denn der Sportler hat echte Grösse bewiesen und seinem Trainer verziehen.  

Für die Auslandskorrespondenten in den Niederlanden war dieser falsche Wechsel ein kurzer Zwischensprint, den wir unerwartet einlegen mussten – zwischen dem Platzen der Regierungskoalition, der am Wochenende zuvor die zweite Verlängerung der Afghanistanmission zum Verhängnis geworden war, und den Kommunalwahlen  am kommenden Mittwoch – beides eher mittellange Abstände.

 Die Afghanistanmission selbst hingegen beschäftigt uns schon seit Jahren und ist eher als Marathon einzustufen. Was auch für Geert Wilders gilt von der islamfeindlichen Partei für die Freiheit PVV. Wobei ein Ende des „Wilders-Marathons“ noch lange nicht in Sicht ist: Glaubt man den Umfragen, feiert die PVV nicht nur bei den Kommunalwahlen am 3. März Triumphe, sondern auch bei den Neuwahlen am 9. Juni.

 Wie sehr sich ein Land ändern kann, das merkte ich auch bei einer Arbeitsmarktreportage in Oss und Rotterdam (wo ich dann fast den Zug verpasst hätte): Denn bei Hartz IV-Empfängern kennen die Niederländer kein Pardon mehr: In neun von 10 Gemeinden müssen sie etwas tun für ihr Geld: „Voor wat hoort wat“, lautet das Motto, „keine Leistung ohne Gegenleistung“. Und deshalb falten niederländische Hartz IV-Empfänger Kartons, halten Grünanlagen instand oder montieren Antennen: „Irgendwas kann jeder“, so das Motto von Rotterdams Dezernenten für Soziales Dominic Schrijer.

Ach ja, und dann haben wir uns letzte Woche auch noch auf den Karadzic-Prozess vorbereitet, der nach mehreren Unterbrechungen am Montag endlich richtig losgehen soll. Auch das eher ein Endlos-Marathon. Aber noch ist nicht Montag. Und deshalb gehe ich jetzt erstmal joggen. Endlich.

 

 

Verlogen

Ehrlich gesagt: Ich habe die Nase voll von Politikern, die sich mit der Aussage hervortun, man könne Afghanistan nicht in eine “Musterdemokratie” verwandeln. Verteidigungsminister Guttenberg ist nur der (vorerst) Letzte in einer Reihe, die zu dieser Erkenntnis kommen. Sie ist zumeist gepaart mit dem dringenden Wunsch, mit den Taliban zu reden.

Was ist wohl eine “Musterdemokratie”? So eine Art platonische Idee, oft versucht – nie erreicht?

Sollen sie doch sagen, dass Demokratie und Menschenrechte in Afghanistan ihnen völlig egal sind, solange sie nur endlich die Truppen abziehen können.

Aber der Musterpolitiker, der sich traut seinen eigenen Zynismus offen zu legen, muss wohl noch geboren werden.

Angriff in Abu Dhabi

Ich arbeite ja am ‘gefährlichsten Ort der Welt’ (so Bill Clinton über Pakistan). Und man darf getrost Afghanistan einschießen wie der von US-Strategen erfundene Begriff ‘AfPak’ nahelegt. Da wird man natürlich oft gefragt, wie das so sei und ob man keine Angst habe. Hier kommt eine der Begebenheiten, mit denen ich in Zukunft Familie und Freunde davon überzeugen werde, dass es anderswo viel gefährlicher ist (Neben der indischen Verkehrsopfer Statistik: Allein in Neu-Delhi sterben taglich (!) im Durchschnitt sieben Menschen im Straßenverlehr – und trotzdem sind immer alle froh, wenn ich wieder aus Kabul oder Islamabad hierhin zurückkehre…).

Ich war letzte Woche auf Urlaub in den Vereinigten Arabischen Emiraten (bekannt für Strände, 7-Sterne-Hotels und Einkaufszentren in der Größe deutscher Kleinstädte). Als ich mich am Wochenende mit einem Freund in Abu Dhabi auf den Weg in einen Jazz-Club machte, wurden wir allen Ernstes auf einmal von einer Motorrad-Gang bedrängt. Ich hielt das zunächst für ein Privatrennen einiger Halbstarker im James-Dean-Stil. Dass es mehr war, merkte ich erst als mein Freung Hector aus Nicaragua, der in seiner Jugend bereits Somoza bekämpft hat, das Steuer blitzartig herum riß und auf einen Parkplatz neben der Staße fuhr. Als ich mich vom abrupten Aufprall gegen das Handschuhfach erholt hatte, merkte ich, dass nicht nur Hektor das Auto im Kreis um den Parkplatz jagte, sondern dass uns ein Auto Stoßstange an Stoßstange folgte und die gesamte Gang aus sieben Motorradfahrern mit ihm. Plötzlich schnitt uns einer der Ledermänner von vorn den Weg ab.

Das war nun nicht mehr witzig. Ich fürchtete schon, dass gleich jemand eine Waffe ziehen würde und wollte mich bereits wegducken, als der Motorradfahrer uns mit einer schnellen Handbewegung signalisierte, dass wir vom Tatort verschwinden sollten.

Ich weiss nicht, was danach mit dem Mann passierte, den die Gang verfolgt hat. Aber ich muss sagen, dass ich weder in Afghanistan noch in Pakistan jemals einen solchen Moment der Angst erlebt habe. Hector hatte die ganze Nach Alpträume. Ich hingegen habe gut geschlafen – ich war ja im Urlaub.

Notwendige Korrektur

Ich habe gerade gelesen dass Brian Katulis, Senior Fellow am Center for American Progress, einem Think Tank in Washington mit engen Verbindungen zur Obama-Regierung behauptet, man solle sich in Afghanistan nicht “an das Klischee der freien und fairen Wahlen klammern”. Ich wusste gar nicht, dass freie und faire Wahlen ein Klischee sind.

Ein Klischee ist laut Duden eine “überkommene Vorstellung”, ein” eingefahrenes Denkschema”, eine “abgedroschene Redensart”, eine “vorgeprägte Ausdrucksweise”, ein “überbeanspruchtes Bild”.

Und ich dachte immer sie sind eine wichtige Grundlage der Demokratie. Danke Herr Katulis für diese Klarstellung!

 

Die beste Currywurst…

…zwischen Berlin und Bangkok macht noch immer Boris, Chef des Lapis Lazuli Guesthouses in Kundus. Danke Boris, dass Du seit fünf Jahren einen entscheidenden Beitrag zum Wiederaufbau Afghanistans leistest, auch wenn dieser von den Afghanen (wie inzwischen einiges) nicht geschätzt wird!