EUROPA UND DIE 20 GRANDEN

Ein Abend mit den Weltreportern in Hamburg am Freitag, 30. Juni 2017, 19 Uhr 

Putin, Erdogan, Merkel, Trump, Juncker und all die anderen Mächtigen an einem Tisch: Probleme gäbe es für die Staats- und Regierungschefs der G20-Staaten Anfang Juli genug zu lösen. Beispiele gefällig? Klimaschutz: Den hat der US-Präsident gerade aufgegeben. Ein Ende von Krieg und Chaos: Nicht nur Saudi-Arabien heizt die Lage global weiter auf. Der Kampf gegen Ungleichheit und Armut: Doch die Europäer wollen nur, dass die Armen bleiben, wo sie schon immer waren. Vor dem G20-Gipfel in Hamburg gibt es nichts als Fragezeichen.
Eine Woche vor dem Spitzentreffen laden deshalb die Korrespondenten des Netzwerks Weltreporter zu einer Runde Ausrufezeichen ein: Was denken die Menschen in Russland, der Türkei oder Ägypten über diese 20 Granden, um die sich die Welt vermeintlich dreht? Was sind in den G20-Staaten und darüberhinaus die wirklichen Probleme? Und wer führt künftig die freie Welt an: Macron? Xi Jinping? Oder etwa das Volk?
Kommen Sie und sprechen Sie mit uns: Wir laden Sie ein zu kurzen, knackigen Live-Berichten von Korrespondenten aus der ganze Welt, die (nicht nur) dort leben, wo die G20 regieren. Wir freuen uns auf eine spannende Diskussion mit Ihnen und eine Abstimmung zum Schluss.
Weltreporter.net ist das größte Netzwerk deutschsprachiger Auslandskorrespondenten und berichtet insgesamt aus 160 Ländern weltweit. www.weltreporter.net 
Europa und die 20 Granden
Freitag, 30. Juni, 19 Uhr
Thalia Nachtasyl
Alstertor 1
20095 Hamburg
Eintritt: 7 Euro
Karten bekommen Sie auf der Webseite des Thalia-Theaters

 

 

Die Rückkehr der Angst – Feature bei SWR2

2017 ist Putin seit fünf Jahren wieder Präsident Russlands. In der Zeit hat sich viel verändert. Am schlimmsten ist, dass die Angst zurückgekehrt ist.
Wie das geht und welche Folgen das für Demokraten hat, erzählt das Feature anhand von vier Menschen, die ich seit dem Winter 2011/2012 immer wieder getroffen habe. www.russianangst.de

Die Sendung kann man hier hören:
http://nachmoskau.de/archives/2997

Und man kann das Buch lesen, das die “Russian Angst” beschreibt.
http://www.russianangst.de

24. Geschenk: das russische “Dinner for One”

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Am 24. Dezember bleibt es unter den meisten russischen Weihnachtsbäumen noch leer. Seit Sowjetzeiten findet die Bescherung erst zum Jahreswechsel am 31. Dezember statt. Bis dann wird auch ganz normal durchgearbeitet, erst nachher beginnen die großen Ferien, die meist bis zum 8. oder 9. Januar dauern. Gerne wird während dieser Tage auch der Film  “Ironie des Schicksals” geschaut, unser heutiger Tipp für den Adventskalender.51jxnxoxr4l

Der Film des sowjetischen Regisseurs Eldar Ryaznanov stammt aus dem Jahr 1975 und erzählt die Geschichte von Schenja, der nach einem Besuch zu Sylvester in der Banja völlig betrunken irrtümlicherweise nach Leningrad fliegt und in der Überzeugung bei sich zu Hause zu sein, in eine fremde Wohnung fährt, dort Nadja kennenlernt und sich in sie verliebt.

Die DVD von “Ironie des Schicksals” gibt es auf Russisch mit deutschen Untertiteln.

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Zurück aus dem Donbass, kann berichten: Paul Flückiger

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Weltreporter Paul Flückiger (Warschau) war gerade im Norden des Donbass an der Frontlinie und hat dort mit Flüchtlingen, Regierungstruppen, Lokalpolitikern und den letzten verbliebenen Unternehmern gesprochen. Er hat auch die humanitäre Katastrophe in der nun von Kiew für die Presse immer mehr abgeschotteten Pufferzone gesehen.

Er ist jetzt zurück am Schreibtisch und kann Anfragen annehmen.

Paul Flückiger, CEE Correspondent NZZ am Sonntag a.o., Warsaw Office

www.nzz.ch
www.diepresse.com
www.tagesspiegel.de
www.weltreporter.net
Phone: +48 22 698 72 26
Mobile: +48 503 013 038
(mobile Belarus: +375 44 465 19 89 / mobile Ukraine: +380 66 678 46 55 / mobile Moldova +373 60 076 038)

Adventston 6. 12. – Balletttraining …

_MG_9878…  im Bolschoi.

Land und Leute zum Klingen zu bringen, gehört ebenso zu den Leidenschaften von Thomas Franke wie schnelle faktenorientierte Berichterstattung. Seit mehr als 20 Jahren macht er schon den Spagat zwischen Nachrichten und Literaturfeatures. Er hat vom Zusammenbruch der Sowjetunion berichtet, war Ende der 90er  Jahre auf dem Balkan unterwegs und ist seit einigen Jahren zurück in Russland, das sich erneut in einer Umbruchsphase befindet. Das Bolschoi-Theater hat Thomas immer wieder besucht und für den WELTREPORTER-ADVENTSKALENDER hier einen Ton gestiftet, der uns in diesen legendären Kosmos mit hinein nimmt.

Im Ausland ist alles so anders…

Au weia, erst können die Russen kein Englisch und dann ist auch alles noch “ganz anders als in Deutschland”. “Verloren” fühlten sich die eingeflogenen Reporter! Das muss ein Schock für die Kollegen vom Spiegel gewesen sein. Einer, der immerhin die erste Seite wert war.

IMG_2332Hoffentlich konnte Kollege Bidder aus Moskau den eingeflogenen Reportern ein bisschen unter die Arme greifen, eventuell gar in der Landessprache das Fremdeln erleichtern.

Um künftige traumatische Erlebnisse in der Fremde zu vermeiden empfehlen wir: Freie Korrespondenten im Lande (wie sie zB über das Weltreporternetzwerk leicht zu finden sind), kennen sich gut aus, sprechen die örtliche Mundart und haben bereits funktionierende Internetanschlüsse.

Mein Nationalfeiertag

Am 26. Oktober war ich nicht in Japan, besuchte mit Architekt Terunobu Fujimori Raiding. Der Geburtsort von Franz Liszt befindet sich im Burgenland – unweit vom ehemaligen Eisernen Vorhang. Die Vortragsscheune war alt, das Architekturthema modern. Zur gleichen Zeit feierte Österreich – wie jedes Jahr, seine wiederhergestellte Souverenität: mit Panzerparaden und Rekruten auf der Wiener Ringstrasse. Und deshalb fiel mir folgende Geschichte mit meinem Armeepullover ein.

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Sturmgewehr vorn. Pullover nach hinten: Auch ich war einmal Rekrut.

1973 diente ich meiner Heimat, wie man so schön sagt. Während der sechs Monate als Wehrpflichtiger in der Kaserne Leobersdorf bei Wien lernte ich, dass eine Handgranate aus 3000 Splittern besteht und über den Kopf geworfen werden muss – damit sie nicht in den eigenen Reihen explodiert. Das Sturmgewehr konnte ich in stockdunkler Nacht zerlegen, putzen und wieder zusammenbauen. Panzer eleminierte ich mit einem langen Brett, einer Schnur und einer Mine. Kurz vor Eintreffen des „Russen“ zog ich das Brett vom Versteck aus über die Fahrbahn. Bummmm! Heute heisst sowas IED – Improvised Explosive Devise, und die Taliban verwenden statt der Schnur ein Handy. Ausserdem lernte ich, dass es besser ist, den olivgrünen Pullover mit dem V-Ausschnitt nach hinten zu tragen. Das schützt den Hals besser vor Gegenwind. Nach dem Abrüsten durfte ich diesen Pullover, sowie eine Hose – und ich glaube, auch eine lange Unterhose in Tarnfarbe, behalten – für den Ernstfall, sollte der Russe doch noch kommen. Ich nehme an, dass es bei einer Mobilisierung Zeit spart: Kein Armeeunterhosenanziehen in der Kaserne, sondern schon auf dem Weg dorthin. Der Schnitt und die Farbe des Pullovers passte perfekt zu meinen Jeans, und so war er noch Jahre nach meinem aktiven Heimatdienst fester Bestandteil von Disko- und Ausstellungseröffnungsbesuchen – bis er sich irgendwann von selber auflöste.

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Pullover und Unterhose, 30 Jahre alt, für €36.34

Wie gross meine Überraschung, als ich dreissig Jahre später vom Militärkommando eine eingeschriebene Drohung erhalte – getarnt als Grosszügigkeit. Wird der Pullover samt Unterhose nicht retourniert, geht’s vor’s Gericht. Die Grosszügigkeit bestand darin, dass „in Anerkennung meiner geleisteten Dienste“ die Möglichkeit besteht, den dreissigjährigen Pullover und die Unterhose für €36.34 zu erwerben.

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Dank an die Sovietunion für die Befreiung von der Naziherrschaft: Das „Russendenkmal“ auf dem Schwarzenbergplatz in Wien. Heute dient es als Kulisse für russische Musikvideos.

Ob die Betriebsversorgungsstelle des österreichischen Militärkommandos mit der Armeebekleidung immer noch so umgeht, das heisst, im Jahr 2043 zurückverlangt? Wer ist heute der imaginäre Feind? Es muss ihn geben, denn sonst würden am Nationalfeiertag in Wien keine Panzer rollen. Oder ist der Feind unsichtbar, die Militärparade ein Ausdruck der Hilf- und Nutzlosigkeit? Ist der Feind vielleicht sogar einer, der aus meinem Blog Schlüsselwörter wie IDE, Taliban und Handgranate filtert?

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Verfallener Schweinestall im Burgenland: Bauern versteckten hier ihre Frauen während der zehnjährigen russischen Besatzungszeit.

mai in moskau – geschichte wird gemacht

Ein Bild von © Thomas Franke, nachmoskau.de

Neulich in Moskau: In der Sauna

„Ist es okay, wenn ich giesse?“ „Ja.“
Ich giesse.
„Was ist das für ein Akzent?“ – „Ich bin Deutscher.“
„Ah, ein deutscher Spion.“ – „Klar. Was sonst.“
95° Celsius.
„Ich bin ein deutscher Spion und Sie ein russischer“, sage ich.
Ironiefrei.
Er denkt.
Er sagt: „Das ist paradox. Ich ein russischer Spion in Russland.“
„In Russland ist nichts paradox.“

© thomas franke, nachmoskau.de

„Verkauf die Datscha, Flegel Gouverneur!“

Russlands Kulturhauptstadt droht in Unverschämtheiten zu versinken
Sankt Petersburg ist voller Flegel. Seit mehreren Tagen tobt in der Stadt ein heftiger Streit, ob Gouverneur Georgi Poltawtschenko ein Flegel ist, die Petersburger Kraftfahrer, die Fußballfans oder gar alle Bürger. Vom Zaun gebrochen hat den Streit der Gouverneur. Für eine Wagenkolonne des Premierministers Dmitri Medwedew waren Anfang Oktober die Straßen im Stadtzentrum gesperrt worden, die im Stau stehenden Autofahrer meuterten. „Wer nicht zu faul war, hupte, die Leute streckten alle möglichen Finger in die Höhe“, schimpfte Poltawtschenko hinterher in einem TV-Interview. „So was passiert auch in anderen Städten. Aber so offene Flegelei habe ich nie gesehen.“

Das wiederum erboste nicht nur die Pkw fahrende Bürgerschaft. Als Poltawtschenko vergangenen Samstag beim Erstligaspiel von Senit Sankt Petersburg gegen Kuban Krasnodar auftauchte, empfingen ihn die Fans mit donnernden Sprechchören: „Gouverneur – Flegel!“ Später skandierten beide Stadionhälften im Wechsel: „Verkauf die Datscha, bau das Stadion!“, eine Anspielung auf den stockenden Bau des neuen Stadions für den Gasprom-Klub. Poltawtschenko hatte dazu erklärt, die Einwohner, vor allem die Fußballfreunde könnten ja ehrenamtlich auf der Baustelle mitarbeiten, die mindestens 800% der ursprünglich geplanten Kosten schlucken soll und mit umgerechnet fast 1,1 Milliarden Euro (1,3 Milliarden Franken) teurer als der Wembley-Neubau sein wird.
Eigentlich gilt Senit als Lieblingsverein der Staatsmacht, und Fußballfans allgemein als favorisierte Klientel Wladimir Putins, im Zweifelsfall auch geeignet, Oppositionelle zu verprügeln. Jetzt aber flegeln die Senit-Fans gegen ihr Stadtoberhaupt und amüsieren sich dabei auch noch glänzend.

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Es gehen Gerüchte, die Sicherheitsorgane fahndeten nach den Vorschreiern, die Organe dementieren, die Gesellschaftswissenschaftler Petersburgs streiten, ob Russlands Kulturhauptstadt tatsächlich in Flegelei versinke, ob die Revolution doch nahe oder nur Poltawtschenko entgleist sei. „Das war sein Missgeschick“, sagt der Petersburger Politologe Michail Winogradow unserer Zeitung, „noch kein Grund ihn abzusetzen, aber eine Episode, an die sich der Kreml erinnern wird, wenn in Petersburg wieder etwas eskaliert.“ Auch staatstragende Figuren wie der Petersburger Senator Wadim Tjulpanow raten Poltawtschenko, sich zu entschuldigen. Der immerhin versichert, er habe sich nur über die „Flegelei“ konkreter Personen und nicht aller Petersburger beschwert. Beamte des städtischen Sportkomitees aber kündigen „Erziehungsgespräche“ mit Vertretern der flegelhaften Fanklubs an.