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Anton Scholz neuer Weltreporter in Südkorea

Portrait Anton ScholzDie Weltreporter haben einen neuen Korrespondenten in Südkorea: Anton Scholz lebt seit mehr als 20 Jahren in Korea und arbeitet dort seit 2001 für Medien aus aller Welt. Ursprünglich hat es ihn wegen des Studiums von Zen und Kampfkunst nach Korea verschlagen, wodurch er von Anfang tiefe Einblicke in die traditionelle koreanische Kultur bekam. Mehr als zehn Jahre arbeitete er als Producer für die ARD in Korea und berichtet in Krisensituationen immer wieder live für Welt TV oder die Deutsche Welle. Auch koreanische Medien schätzen seine Meinung zu aktuellen politischen Entwicklungen. Scholz ist es ein großes Anliegen, ein umfassendes Bild von Südkorea zu liefern, das über die immer wiederkehrenden Berichte über den Konflikt mit Nordkorea, K-Pop und die letzten Technik-Gadgets hinausgeht.

 

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Abschied von einer großen Liebe

Portrait Susanne Knaul

Weltreporterin Susanne Knaul

30 Jahre lang arbeitete Weltreporterin Susanne Knaul als Nahost-Korrespondentin in Jerusalem. Persönliche wie politische Gründe führen sie nun zurück in ihre Heimat Berlin. Hier wird sei künftig weiterhin als Journalistin und Nahost-Expertin tätig sein. In einem bewegenden Artikel für die taz, für die sie ebenfalls seit drei Jahrzehnten berichtet hat, blickt sie zurück auf ihr Leben in Israel – als Studentin, Kibbuznik, Journalistin und Mutter.

 

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China Calling

Nach fünf Jahren Korrespondenten-Dasein in Seoul zieht es Weltreporter Fabian Kretschmer nach China, wo er in Peking seine Zelte aufschlägt. Auch wenn er Südkorea nur schweren Herzens verlässt, freut er sich nun auf einen der relevantesten und herausforderndsten Standorte für Journalisten weltweit.

Weltreporter in Shanghai: Philipp Mattheis

Auch Weltreporter Philipp Mattheis ist in den vergangenen Jahren oft umgezogen – nie aber fiel ihm der Abschied so schwer wie von Istanbul: Ein Stück Seele bleibt immer am Bosporus, sagen die Türken. Das Angebot, unter anderem für Stern und Capital aus Shanghai zu berichten, war dann aber doch zu verlockend. Für Mattheis ist es zugleich eine Rückkehr: Er arbeitete bereits von 2012 bis 2016 als Korrespondent in Shanghai.

 

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Ausgezeichnet: Weltreporter Philipp Hedemann erhält „Plan Medienpreis für Kinderrechte“

Für eine Reportage über die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen über das Internet erhält Weltreporter Philipp Hedemann den „Plan Medienpreis für Kinderrechte“. Der Journalistenpreis wird von der Stiftung „Hilfe mit Plan Österreich“ in Kooperation mit dem Verband Österreichischer Zeitungen und dem Bundeskanzleramt in Wien vergeben. „Fass Deine Schwester an“ erschien im Nachrichtenmagazin Profil. In diesem Text erzählt Hedemann die Geschichte eines Mädchens, das – wie Tausende andere Kinder auf den Philippinen – gezwungen wurde, sich vor Webcams auszuziehen. Andere Minderjährige werden sogar vor laufender Kamera missbraucht, vergewaltigt und gefoltert. Die Philippinen gehen mittlerweile verschärft gegen diese Form des Kindesmissbrauchs vor.

Ruby (21, Name geŠändert) wurde als MinderjŠährige füŸr Live-Sexstreams missbraucht. Hier in der Einrichtung einer christrlichen Hilfsorganisation in der NŠähe von Manila.

 

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Die Weltreporter feiern ihr 15-jähriges Bestehen

Das größte Netzwerk freier deutschsprachiger Auslandkorrespondenten feiert dieses Jahr sein 15-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass haben die „Weltreporter“ nach vorne geblickt – mit einer Diskussion zum Stand und zur Zukunft des Auslandsjournalismus. Dem Netzwerk gehören inzwischen rund 50 Korrespondentinnen und Korrespondenten an, die aus mehr als 160 Ländern berichten.

Im ausverkauften Grünen Salon der Berliner Volksbühne folgten über 100 Gäste der Diskussion unter dem Titel „Das drohende Verschwinden der Welt“. Qualitativ hochwertige Auslandsberichterstattung hat es zunehmend schwer. Schuld daran sind das Mediensterben in Deutschland, Sparvorgaben in den Redaktionen und Auslagerung von Risiken auf die Schultern der Korrespondentinnen und Korrespondenten. Wie kann angesichts dieser Ausgangslage die Zukunft aussehen?

Die Welt sei so unübersichtlich und schnell geworden, dass selbst gestandene Korrespondenten sie nicht mehr verstünden, räumte Jochen Wegner, Chefredakteur von „Zeit Online“ und Mitglied der Chefredaktion von “Die Zeit” zum Auftakt der Debatte ein. Bettina Rühl, Vorsitzende der „Weltreporter“ hielt dagegen: Tatsächlich sähen Korrespondenten oftmals Krisen voraus, nur würden Berichte über solche Entwicklungen von immer weniger Redaktionen veröffentlicht, bevor ein offener Konflikt ausgebrochen sei. Das Ergebnis: Die Öffentlichkeit werde immer häufiger von Ereignissen vermeintlich überrascht, die für Deutschland auch politisch und wirtschaftlich relevant seien.

Der klassische Korrespondent bleibt unentbehrlich

Für Journalist und Medienwissenschaftler Lutz Mükke bleibt der klassische Korrespondent unentbehrlich. Zwar könnten interessierte Leserinnen, Hörer oder Zuschauer durch soziale Netzwerke auf eine Vielzahl direkter Quellen zugreifen. Allerdings könnten nur Korrespondenten mit Ortskenntnis die Brückenfunktion übernehmen, die zur Einordnung und Vermittlung von Geschehnissen im Ausland gebraucht werde – gerade dann, wenn sich Ereignisse zu überschlagen scheinen. Dies werde jedoch schwierig, wenn man sich vor Augen halte, dass zum Beispiel in Subsahara-Afrika in den vergangenen Jahren mehr als ein Fünftel der Korrespondentenstellen deutschsprachiger Medien abgebaut wurden. Das Reisebudget sei sogar halbiert worden, so Mükke.

In diesem Zusammenhang „sehe ich eine große Zukunft für Netzwerke wie die Weltreporter, weil wir uns keine umfassenden Korrespondentennetzwerke mehr leisten können“, räumte Zeit-Chefredakteur Jochen Wegner ein.

Marcus Bensmann, Mitglied des Rechercheverbunds Correctiv, plädierte für die stärkere Nutzung der Möglichkeiten, die sich durch das Internet und die soziale Medien eröffnen. „Es gibt bei den Menschen eine erkennbare Sehnsucht nach Informationen und nach dem Verstehen der Welt.“ Bei dem stiftungsfinanzierten Modell von Correctiv würden zum Beispiel Nutzerinnen und Nutzer mit einbezogen und an Recherchen beteiligt.

Bettina Rühl bei der Podiumsdiskussion in der Volksbühne

„Das Internet ist nicht nur eine Bedrohung, sondern bietet auch Chancen für eine breitere Berichterstattung“, erklärte Bettina Rühl. Bislang sei darüber allerdings die Finanzierung hochwertigen Journalismus kaum möglich. Das zu ändern, gehört zu den, Zielen des Netzwerks für die nächsten Jahre. „Wir wollen uns an die geänderten Bedingungen anpassen, ohne unsere zentralen Ansprüche aufzugeben“, betonte Bettina Rühl: „qualitativ hochwertige Berichterstattung und beste Ortskenntnis“.

Die Veranstaltung wurde unterstützt von torial.com, der Online-Plattform für JournalistInnen, und der Deutschen Post DHL Group.

Fotos: Rainer Stosberg

 

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Das drohende Verschwinden der Welt

Die Weltreporter haben ihren 15-jährigen Geburtstag gefeiert – stilecht mit einer Diskussion zum Stand des Auslandsjournalismus. Im ausverkauften Grünen Salon der Volksbühne folgten mehr als 120 Gäste der Diskussion auf der Bühne. Die Überschrift: “Das drohende Verschwinden der Welt”. Qualitativ hochwertige Auslandsberichterstattung hat es schwer. Gründe dafür: Mediensterben in Deutschland, Geldnot in den Redaktionen, Auslagerung von Risiken auf die Schultern der Korrespondenten. Wie kann angesichts dieser Ausgangslage die Zukunft aussehen?

Über Lage und Zukunft des Auslandsjournalismus diskutierten (v.l.) Bettina Rühl (Vorsitzende Weltreporter), Lutz Mükke (Reporter und Medienwissenschaftler), Marcus Bensmann (Correctiv) und Jochen Wegner (Chefredakteur Zeit online).

Die Welt sei so unübersichtlich geworden, dass selbst gestandene Korrespondenten sie nicht mehr verstünden, sagte der Chefredakteur von Zeit online, Jochen Wegner, zum Auftakt der Debatte. Die Vorsitzende der Weltreporter, Bettina Rühl, hielt dagegen: Tatsächlich sähen Korrespondenten oftmals Krisen voraus, nur wolle die Berichte darüber kaum jemand drucken, solange es nicht knallt. Christina Schott (Weltreporterin in Indonesien) bestätigte diese Einschätzung: Die schleichende Islamisierung in Südostasien etwa werde weitgehend ignoriert, trotz der drohenden Eskalation.

Die Journalistin Anke Bruns (ganz rechts) moderierte die Runde zum 15. Geburtstag der Weltreporter.

Marcus Bensmann (Correctiv) plädierte für die stärkere Nutzung von sozialen Medien: Klassische Mediennutzung werde von sozialen und elektronischen Medien abgelöst, letztlich könne jeder Journalist und Leser sein – vorausgesetzt, er wisse, wie Journalismus funktioniere. Als Beispiel nannte Bensmann die Reporterfabrik des stiftungsfinanzierten Recherchenetzwerks Correctiv.

Für den Reporter und Medienwissenschaftler Lutz Mükke bleibt der klassische Korrespondent unentbehrlich. Nur er könne die Brückenfunktion übernehmen, die zur Vermittlung von Geschehnissen im Ausland gebraucht werde.

Volles Haus im Grünen Salon der Volksbühne

Eine junge Journalistin fragte sich nach der Debatte: Soll ich Auslandskorrespondentin werden? Der Rat der Weltreporter: Unbedingt. Es gibt kaum einen spannenderen Job als den, aus den Ausland zu berichten. In diesem Sinne erhoben Weltreporter und Publikum zum Abschluss der Debatte die Sektgläser: Auf die nächsten 15 Jahre!

 

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Schulstreik-Gefängnis für Lorde?

Exctinction Rebellion ist nicht die einzige Protestbewegung, die seit voriger Woche einiges an Verwirrung auf der Welt stiftet. Während sich Rebellen in Wellington an eine Bankfiliale klebten und in Melbourne XR-Tänzer auf der Straße steppten, um „civil disobedience“ (zivilen Ungehorsam) in „disco-bedience“ (Widers-Tanz) umzusetzen, formierte sich über Nacht ein neuer Aufstand gegen die Staatsgewalt: eine Befreiungskampagne für Sängerin Lorde.

Simon Bridges, Chef der konservativen National-Party, kam im frisch gestarteten Wahlkampf mit einem Vorschlag daher, den er gern gesetzlich verankern möchte: Eltern, deren Kinder ohne High-School-Abschluss die Schule abbrechen, sollen bestraft werden. Dieses Verbrechen, meist von sozial Schwachen und Randgruppen wie den pazifischen Einwanderern begangen, könnte bis zu 3.000 Dollar Strafe kosten.

Ob es nur Schwänzerei oder der dringliche Ruf nach Höherem war: Unter den Kiwis, die ihre Schulkarriere nicht beendet haben, befindet sich auch Prominenz. Zum Beispiel Rugby-Star Sonny Bill Williams – der mit die 14 Schule abgebrochen hat, aber jetzt noch mal studiert. Oder Choreografin Parris Goebel, die mit Rihanna und Justin Bieber arbeitet – verließ die Schule, um Tänzerin zu werden, und gewann dann zweimal die Weltmeisterschaft im HipHop.

Und dann selbstverständlich Lorde, die größte Pop-Sensation des Landes. Mit 13 begann Ella Yelich-O’Connor ihre eigenen Songs zu schreiben. Mit 16 wurde „Royals“ ein Hit und sie entschloss sich, nicht mehr an die Takapuna Grammar Schule zurückzukehren und die zwölfte Klasse zu beenden. Statt NCEA, dem neuseeländischen Abschluss, kassierte sie lieber zwei Grammys ein.

Kaum tauchte ihr Name im Zusammenhang mit der Schulstrafe auf, begann der Protest-Tornado. In den USA bewaffneten sich

Lorde-Fans mit dem Hashtag „#FreeLorde“, um die vermeintlich bereits Verhaftete aus dem Gefängnis zu befreien. „Ella, wir kommen!“, feuerten Fans sich an. Wer hätte gedacht, dass so ein nettes Land mit einer Premierministerin, die Oprah und Elton John als Fans hat, solche Menschenrechtsverletzungen begeht?

Die Woge des Widerstands wurde zum Trend auf Twitter und führte zu unzähligen Memes: Lorde hinter Gittern, Lorde aus einem Taxi hängend im „Green Light“-Video neben einem Foto vom Joker Heath Ledger in „The Dark Knight“, und internationale Befreiungskämpfer, die sich online eine Anwaltslizenz besorgen, um ihre Lieblingssängerin aus dem Knast zu holen.

In all der fehlinformierten Hysterie ging ein wahrer Held dagegen unter: Der 15-jährige Micah Greininger aus Wellington. Micah, der sich seinen Vornamen selber gab und trans, schwul, jüdisch und Maori ist, protestierte 60 Tage am Stück vor dem neuseeländischen Parlament. Dafür flog er von der Schule. Auf der Straße wurde er vorige Woche von den XR-Rebellen gefeiert.

 

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Die Gruselhand

Kunst und Kiwis, die zweite: ein Dauerkonflikt rund um Missinterpretationen, Obszönitäten, Aufruhr und Angst. Der aktuelle Fall spielt in Wellington, Neuseelands Hauptstadt und  Kulturhochburg. Es ist mit Abstand das intellektuellste City-Pflaster im Südpazifik, progressiv und funky. Und seit Ende August ein Gruselkabinett. Denn von einem der Dächer schaut eine Hand.

Bildhauer Ronnie van Hout ist für neuseeländische Verhältnisse ein Entfant Terrible. Dass er in Melbourne lebt, macht die Sache nicht besser. Vor drei Jahren bestellte das vom Erdbeben lädierte Christchurch bei ihm ein öffentliches Kunstwerk namens Quasi: eine fünf Meter große Hand, auf der das Gesicht des Künstlers sitzt. Sie steht auf zwei Fingern – ein grimmiges, monströses Handmännchen.

Es wanderte aufs Dach der städtischen Kunstgalerie. Über 90.000 Dollar zahlte Christchurch damals für die Anfertigung. Schulkinder waren begeistert, Touristenbusse stoppten davor. Doch es gab auch Gegenstimmen, wie bei jeder Art von Kunst, die nicht nur brav Nikau-Palmen und Tui-Vögel abbildet. Aber zum Skandal wurde van Houts Hand erst jetzt, als sie nach Wellington wanderte.

Als Attraktion der verbauten Innenstadt thront sie dort ebenfalls auf der Kunstgalerie. Aber nicht nur die 74.000 Dollar, die der Hubschauber-Transport der 400-Kilo-schweren Skulptur und die windsichere Installation kosteten, stoßen den Hauptstädtern auf. Es ist das verkörperte Böse, was von oben auf sie herabschaut. „Creepy“ sei das, „furchterregend“, „ekelhaft“ – ein Medien-Shitstorm, der sogar New York und London erreichte. Alptraumerregend.

Vielleicht liegt es an der Ähnlichkeit zu Donald Trump – eine der häufigsten Assoziationen. Ronnie van Hout vergleicht es mit dem Aufschrei über „entartete Kunst“ im letzten Jahrhundert. „Ich zeige meinen Studenten die Zeitungsartikel von damals, die besagten, dass Kubismus von Verrückten gemacht wird und nur Mist sei,“ erklärte er Radio New Zealand. „Dann zeige ich ihnen die Reaktion auf Quasi, um zu zeigen, dass sich nichts verändert hat.“

Auf der Hitliste der hässlichsten Skulpturen im Lande liegt er jedoch noch nicht vorne. In einem Bahnhof in Auckland hängt ein phallisches Drahtgebilde, das „Wolke“ heißt und als höchst anstößig gilt. Ebenso penetrant penisförmig kommt die „Big Sausage“ daher, eine Riesenwurst auf einer Gabel in Tuatapere. Sie steht in der stolzen Tradition ebenso peinlicher Statuen wie die Riesen-Kiwi, das Riesen-Schaf, die Riesen-Karotte.

Und vor der Umweltbehörde in Christchurch steht ein überdimensionales Abbild eines konservativen Abgeordneten, mit runtergelassener Hose über einem Trinkglas hockend – Künstler Sam Mahons Antwort auf die Wasserverschmutzung. Einen halbnackten Politiker als Muse hätte er sich nie träumen lassen. „Als Kunststudent dachte ich, ich würde mal Madonnen malen. Aber jetzt bearbeite ich Genitalien.“

 

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Wir feiern!

15 Jahre Weltreporter

 

Schon ziemlich lebenserfahren und immer noch neugierig – das sind wir Weltreporter, inzwischen 15 Jahre alt. Gegründet wurde das erste Netzwerk freier Auslandskorrespondenten 2004. Das Ziel: eine Adresse zu schaffen, unter der Redaktionen Autorinnen und Autoren auf der ganzen Welt finden können, für eine Reportage über Straßenkinder in Südamerika, den Bauboom in China oder die Folgen der EU-Osterweiterung in Polen.

Es ging nicht um möglichst viele Adressen, sondern um garantierte Qualität. Diesen hohen Anspruch haben wir bis heute behalten. Im Laufe der 15 Jahre ist unser Netzwerk gewachsen, auf mittlerweile rund 50 Mitglieder. Das finden wir einen guten Grund zu feiern! Denn wir sind davon überzeugt, dass die Öffentlichkeit ein Anrecht hat auf verlässliche, sorgfältige, umfassende und informative Auslandsberichterstattung. Die zu gewährleisten ist unser Ziel, seit 15 Jahren und in den nächsten Jahrzehnten.

Während unseres Jahrestreffens vom 25. bis 27. Oktober 2019 in Berlin laden wir alle Kollegen, Ehemaligen, Freunde, Unterstützer und Interessierten zu unserer öffentlichen Veranstaltung  “Das Verschwinden der Welt: Wer rettet die Berichterstattung aus dem Ausland?“ am 26. Oktober um 19 Uhr im Grünen Salon der Volksbühne ein. Mehr Infos dazu hier.

 

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Das Verschwinden der Welt: Wer rettet die Berichterstattung aus dem Ausland?

Diskussion am 26. Oktober 2019 um 19 Uhr im Grünen Salon der Volksbühne Berlin.

Was im Ausland passiert, hat unmittelbare Folgen für uns und unser Leben in Deutschland. Korrespondenten schlagen die Brücke zwischen dem, was in der Ferne wichtig ist, und dem, was heimische Leser, Zuhörer und Zuschauer interessiert. Doch dieses Modell ist gehörig ins Wanken gekommen – die Folge: ein zunehmend verzerrtes Bild von der Welt.

Medienhäuser dünnen ihre Korrespondentennetze seit Jahren aus, unter ihnen auch die wichtigen  Nachrichtenagenturen. Immer häufiger werden Auslandsberichte in deutschen Redaktionen geschrieben. Im Krisenfall fliegen Redakteure an Hotspots, wo sie wenig mehr tun können, als sich ihre Vorurteile bestätigen zu lassen, wenn sie überhaupt ins Land kommen. Autoritäre Staaten wie die Türkei verweigern Berichterstattern die nötige Zulassung oder – wie in China – Reisegenehmigungen innerhalb des Landes. Wo Berichterstattung schwierig oder teuer ist, bestimmen interessengeleitete Organisationen oder Individuen, was wir wissen. Selbst Tweets ungeklärter Herkunft gelten gegen alle journalistischen Grundsätze zu oft als Quelle.

Dieser Trend ist auch deshalb beunruhigend, weil Bundesregierung und Bundeswehr als Akteure in internationalen Krisen gefragt sind. So sitzt Deutschland seit diesem Jahr im Weltsicherheitsrat, ist Teil von Blauhelmmissionen. Bürgerinnen und Bürger müssen den Sinn von Interventionen beurteilen können. Dafür braucht es qualitativ hochwertige, journalistisch saubere und langfristig angelegte Berichte von Korrespondentinnen und Korrespondenten vor Ort. Ihre Arbeit ist unerlässlich.

Das gilt besonders, weil die Glaubwürdigkeit von Medien – nicht nur in Deutschland – immer massiver zum Politikum gemacht wird. Das Label „fake news“ ist zu einer beliebten rhetorischen Figur geworden, mit der die Argumente des politischen Gegners vom Tisch gewischt werden. Vor diesem Hintergrund ist es besonders wichtig, dass Journalistinnen und Journalisten gründlich recherchieren und „sauber“ berichten, egal aus welchem Winkel der Erde. Dafür braucht es Ressourcen.

Weil die aber häufig fehlen oder anderswo eingesetzt werden, bekommt die deutsche Bevölkerung ein zunehmend verzerrtes Bild der Welt präsentiert.

Was kann und muss also unternommen werden, um fundierte und unabhängige Auslandsberichterstattung in Deutschland zu garantieren? Welche Verantwortung tragen Redaktionen, Korrespondenten, Herausgeber? Was muss die Bundespolitik tun, um für die Freiheit der Auslandsberichterstattung zu streiten? Welche neuen Modelle brauchen wir, um gründliche und unabhängige Berichterstattung künftig finanzieren zu können?

Diese und andere Fragen diskutieren Redakteure, Wissenschaftler, Korrespondenten und das Publikum bei unserer Veranstaltung anlässlich des 15. Geburtstages der “Weltreporter”, des größten Netzwerkes freier Auslandskorrespondentinnen und -korrespondenten aus dem deutschsprachigen Raum.

Teilnehmer: Bettina Rühl (Weltreporter), Jochen Wegner (Chefredakteur Zeit online), Marcus Bensmann (correctiv), Lutz Mükke (Reporter und Medienwissenschaftler). Moderation: Anke Bruns.

Unterstützt wird die Veranstaltung von torial.com, der Online-Plattform für JournalistInnen, und der Deutschen Post DHL Group.