9. 12. Kourabiédes aus Griechenland

Der “sugar trail” führt jeden Dezember vom Esszimmer an die gemütlichsten Ecken unserer Wohnung. Eine Fährte endet am Sessel neben dem Telefon. Eine andere, sehr beliebte, passiert zwei antike Kelims, um dann die Leseecke im Arbeitszimmer zu erreichen. Wenn ich mich beklage, höre ich ein verbröseltes “Gesundheit deinen Händen”. Das ist ein netter Spruch, mit dem man griechische Hausfrauen bei Laune hält. Subtext: “Damit Du in Zukunft noch mehr davon machst”. Mehr was? Mehr Kourabiédes.

Wichtig ist es, gute Butter zu verwenden und die Kourabiédes außerdem nach dem Backen mindestens eine Woche lang zu verstecken, damit sie schön mürbe werden. Dann erst kommen sie auf den Tisch. Vor dem Essen klopft man den Puderzucker übrigens kräftig ab. Zum einen, weil er nur zur Konservierung dient und zum anderen, weil es sonst keinen “sugar trail” in der Wohnung gibt. Und hier das Rezept!

 

 

20. Geschenk: iPhone-Hüllen aus griechischem Neptungras

Klingt gut. Ein bisschen göttlich, ein bisschen understated. Und ausgefallen allemal. Oder haben Sie Neptungras im Garten? Vermutlich nicht, denn dieser Uraltorganismus unseres Planeten gedeiht unter Wasser. Wir bekommen ihn erst zu sehen, wenn die abgestorbenen Algen im Winter an Land gespült werden. Und hier kommt ein findiges griechisches Start-up ins Spiel.

Warum das Neptungras nicht nutzen, fand nämlich Stavros Tsompanidis. Immerhin ist es ein hervorragendes Material. Und in griechischen Gemeinden fallen jährlich 200 bis 250 Tonnen davon an. Die Bürgermeister sind sogar froh, wenn man ihnen das Zeug abnimmt. In jahrelanger Arbeit und mithilfe zweier Stipendien hat Tsompanidis das Wundergras studiert und das „phee-board“ entwickelt, unsereins würde es Meeresalgenkork nennen. Machen kann man daraus vieles, phee hat mit iPhone-Hüllen begonnen. Gutes aus Griechenland für die Welt.

 

 

Audio #2: Weltfremd oder inspirierend?

Naiv und weltfremd? Oder berührend und inspirierend? Seit drei Monaten ist unser Buch “Die Füchtlingsrevolution” im Handel. Kommentare, Lob und Kritik gab es seither reichlich, Reaktionen, die so spannend wie vielseitig waren. In unserem neuen Audio-Spezial hören Sie mehr dazu.

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Manche Zeitungen wie die FAZ haben unser Buch gleich zweimal rezensiert. Wir freuen uns auch darüber…

Viele Medien berichteten von den Lesungen, zu denen wir von Buchläden, Bibliotheken aber auch von vielen Schulen eingeladen wurden. Radiostationen rezensierten das Buch, zum Beispiel ‘B5 aktuell’, Deutschlandradio und  Bayern 2. Autorinnen und Autoren haben auf Lesungen in ganz Deutschland diskutiert, (hier ein Bericht von einer Lesung mit Philip Hedemann aus dem oberpfälzischen Pressath) und Fragen beantwortet.

Bei der offiziellen Buch-Vorstellung im taz-Café saß auch Ameena auf dem Podium, die junge Syrerin die Philip Hedemann auf ihrem Weg begleitete und die einen Prolog zu unserem Buch geschrieben hat. Im neuen Audio-Spezial 2 hören Sie Sie mehr darüber, wie das Leben der jungen Frau seither weiterging und lernen zwei ihrer Kinder kennen. Philip erzählt, warum Ameena unbedingt das Kanzleramt kennenlernen wollte. Und warum sie – trotz ihres Glücks darüber in Deutschland zu leben – während einer Lesung in Tränen ausbrach.

Angst auch nach 25 Jahren

Im Audio erfahren Sie, was Kerstin Zilms Interviewpartnerin Lidia Nunez empfand, als sie ihren Sohn nach 15 Jahren zum ersten Mal wieder umarmen konnte. Von einem anderen Weltende schaltet sich Bettina Rühl zu, sie läßt die Somalierin Haibo Abdirahman Muse zu Wort kommen, die schon 25 Jahre in einem kenianischen Flüchtlingslager lebt und trotzdem noch Angst hat.

Birgit Kaspar in Toulouse spricht  mit ihrer Interviewpartnerin Chantal Pulé, die ihr erzählt, ob sie nach all den Jahren in Paris, heute bereut aus dem Libaon geflohen zu sein.

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Birgit Kaspar und Marc Engelhardt lesen in Herne Foto: Claudia Korbik

Zu weit weg?

Herausgeber Marc Engelhardt erzählt im Audio #2 welche Inhalte auf Lesungen am häufigsten diskutiert werden und wie sehr viele deutsche Leser überrascht, das Fluchten auf der ganzen Welt passieren. Viele Gespräche nach den Lesungen drehen sich darum, was der Begriff ‘Revolution’ bedeuten soll. Marc Engelhard hat außer positivem Feedback natürlich auch kritische Meinungen gehört. Ein Leser wirft uns vor, als Auslandskorrespondenten zu weit entfernt von der deutschen Problematik zu sein. Marc Engelhardt: “Den Blick aus dem Ausland sehen wir eher als Qualität des Buches. Sicher kann man das kritisieren, ich glaube aber nicht, dass man das sollte. Wir sagen ja nicht, dass sich eine Lösung aus Südafrika oder anderen Ländern 1 zu 1 auf Deutschland übertragen lässt. Aber es hilft vielleicht, den Horizont zu erweitern und mit anderen Augen auf Situation in Deutschland zu blicken.”

Denn eines ist gewiss: Flucht wird als Phänomen zunehmen, Die Frage ist: wie gehen wir damit um.

In Lesbos bleiben die Tische leer

Lesbos: Die besten Tische bleiben leer.

Lesbos: Die Urlauber bleiben aus.

Im Audio #2 hören Sie auch von Alkyone Karamanolis, Weltreporterin in Athen, die sich gefragt hat: Wie geht es den Rettern heute? Fischer Konstantinos Pinderis, erzählt wie sich sein Leben auf der Insel Lesbos komplett verändert hat. Am idyllischen Hafen von Skala Sikamineas bleiben die Tische leer. Zwar landen dort keine Flüchtlingsscharen mehr wie 2015, doch die Touristen kommen ebenfalls nicht mehr. Sie scheinen ihre früheren Lieblingsinseln vergessen zu haben – zum Leid der Einheimischen, denen die Arbeit ausgeht.

Vergessen würden in meinem eigenen Berichtsgebiet Australien viele Politiker am liebsten die Situation der Flüchtlinge, die nach wie vor auf den Inseln Manus und in Nauru die Hoffnungslosigkeit ihrer Lage erdulden. Menschen müssen dort seit Jahren als Abschreckung für künftige Boots-Migranten herhalten. Ich erzähle im Audio #2 darüber, wie schwer geschädigt die dort gestrandeten Männer, Frauen und Kinder durch die Inhaftierung sind, und dass ihre Zukunft trotz heftiger Proteste von Menschenrechtsorganisationen und anderen noch immer unklar ist.

img_9019Hören Sie rein, ich bin sicher, unser Audio Spezial # 2 macht Sie neugierig auf unser Buch Die Flüchtlingsrevolution, erschienen im August im Pantheon Verlag.

Auch wenn sie es bereits gelesen haben, erfahren Sie im Podcast einiges Neues. Zusammengestellt haben es die Weltreporter Kerstin Zilm, Leonie March, Randi Hauser und Sascha Zastiral.

Weltreporter-Forum 2016 – hier ist das Programm!

Das Programm des Weltreporter-Forums 2016 in Raiding/Burgenland steht:

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Wir freuen uns mit unseren internationalen Gästen auf einen spannenden Sommer-Nachmittag auf dem Land. Und auf Sie!

Adventston 20. 12. – Ikonenmaler

george kordis

«Kann man Farbe hören? Man kann», sagt der Heiligenmaler George Kordis. Er greift zu einem Pinsel und fährt behutsam über eine graugrün grundierte Leinwand. Ein leises Zirpen ist zu hören. «Das liegt an der Beschaffenheit der Farbe, dem Verdaccio», sagt Kordis und fährt zum Vergleich mit dem Pinsel über eine nicht grundierte Fläche. «So kann man auch kontrollieren, ob die Farbe gut ist.» Für ihre Sendung über die Kunst der Ikonenmalerei hat Alkyone Karamanolis nicht nur lange Interviews mit Ikonenmalern geführt, sondern eben auch alle Geräusche aufgenommen, die im Atelier zu hören waren. Nur den Kuchenduft – beim Vergolden kommt nämlich auch Eiweiß zum Einsatz – konnte ihr Mikrofon nicht einfangen.

Rausschmiss aus dem Euro

Busfahren in Athen macht wieder Spaß. Nicht nur weil der Verkehr so ruhig dahinplätschert wie in einer bayerischen Kleinstadt, seit so viele Menschen ihre Autos wegen der Krise verkauft oder abgemeldet haben. Nein, was mich freut, ist, dass ich endlich wieder hoffnungsvolle Gesichter sehe. Glänzende Augen, stolze Mienen. Heute Morgen zum Beispiel: „Zwei zu eins“, sagt ein ansonsten eher unscheinbarer kleiner Herr und blickt fordernd in die Runde. Zufriedenes Nicken. „Drei zu zwei“ setzt sein Nachbar drauf. Das war gewagt, kommt aber gut an. Die Europameisterschaft. Deutschland gegen Griechenland. Aus griechischer Sicht das Spiel der Saison, des Jahrzehnts, des Jahrhunderts. Der Bus legt sich in die Kurve. „Wir kicken sie aus dem Euro“, trumpft der kleine, eher unscheinbare, auf. Breite Zustimmung. „Euro“ bezeichnet auf griechisch sowohl die gemeinsame Währung als auch die Europameisterschaft. Die Aussprache ist zwar nicht identisch, aber wen kümmert das schon. Die Griechen wittern ihre historische Chance, da ist man nicht kleinlich. Sie seien faul, mussten sie sich die letzten zwei Jahre anhören, sie seien nicht nur pleite sondern auch tief in Schuld verstrickt und könnten Absolution nur erlangen, wenn sie ihre Inseln verkauften oder besser gleich die Akropolis. Die Griechen revanchierten sich mit Fotomontagen, die Angela Merkel in Naziuniform zeigten. Half alles nichts. Die Staatsverschuldung stieg, die Simmung sank. Zuletzt in den Keller. Nun aber geht es aufwärts. „Am Freitag zeigen wir es den Deutschen“, hakt der eher unscheinbare kleine Herr im Bus nach. Jemand anders hat eine bessere Idee. Bombensicher sei sie: Man sollte auf eine haushohe Niederlage der eigenen Mannschaft wetten, die Deutschen gewinnen lassen – und Griechenland mit dem Wettgewinn freikaufen.