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Frankreich: Die Coronavirus-Nachbarschaftshilfe

Was tut man in der Coronavirus-Ausgangssperre, wenn die Wohnung geputzt, der Kühlschrank abgetaut, die Wäsche gebügelt, die Kleider und Bücher aussortiert sind? „Man will helfen“, meint Atanase Perifan, Gründer der „Voisinssolidaires“. Die Assoziation der „solidarischen Nachbarn“ will unter Anwohnern eine Dynamik zur gegenseitigen Hilfe entwickeln, und dies ist heute so wichtig wie nie zuvor. Vor allem für ältere Mitmenschen. Da nur noch wenige mobile Sozialdienste während der Ausgangssperre unterwegs sind, sind viele alte Leute auf sich selbst gestellt. Mit verheerenden Folgen, erklärt Perifan – selbst COVID-19-infiziert – hustend am Telefon: „Auch wenn es rüstige Rentner sind, kommt es schnell zu Mangelernährung mit gesundheitlichen Folgen.“ Hier können Nachbarn helfen. „Für die 80-Jährige im dritten Stock ein paar Lebensmittel aus dem Supermarkt mitzubringen, kostet gerade mal 10 Minuten.“

Nachbarschaftshilfe Paris

Altes Ehepaar in Paris, Les Halles. Foto: Barbara Markert

Auf der Website der soldiarischen Nachbarn gibt es deshalb ein „Kit Coronavirus“ zum Runterladen. Es beinhaltet ein Infoposter, einen Aushang und zwei vorgedruckte Listen, in denen man sich mit Name, Stockwerk und Telefon eintragen kann.

Poster Voisins Solidaires

Poster der Assoziation Voisins Solidaires, Frankreich

In der ersten Woche der Ausgangssperre wurde das Kit bereits über 130.000 Mal abgerufen, seitdem steigt der Download proportionell zu den Infektionsfällen an. Wird denn nur runtergeladen oder auch wirklich geholfen? Perifan: „Wir fragen per Mail nach und wissen, dass 60% der Listen nach drei Tagen ausgefüllt und in Aktion gesetzt wurden.“

 

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Klangteppich aus Kuhmuhen

Nicola de Paoli hat in Wales erfahren, wie man Papageientauchern die schönsten Brutplätze zeigt: Im Nationalpark Pembrokeshire stellen Ranger Vogelattrappen aus Plastik auf, die die Tiere anlocken sollen, und ahmen Töne nach, die die Vögel gerne hören. Das klingt wie das Muhen einer Kuh, die Tonleitern übt. Folge: Zur Brutzeit ist die Insel Ramsey mit einem Klangteppich aus Kuhmuhen bedeckt. Das alles und vieles mehr steht in der neuen Ausgabe des BritishTravel-Magazins. Darin erklärt Nicola de Paoli auch, warum die Royals so gerne nach Cornwall fahren und es in London schon lange vor der Coronakrise angesagt war, am Samstagabend lieber zuhause auf dem Sofa Musik zu hören als in einen Club zu gehen. Die BritishTravel ist für 6,80 Euro am Kiosk erhältlich oder direkt bei  www.britishtravel.de

Nicola de Paoli

Weltreporterin in Edinburgh

paoli@weltreporter.net

 

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Inspiration von Regisseur Jan Philipp Weyl

Regisseur Jan Philipp Weyl im Gespräch mit Weltreporterin Kerstin Zilm

2005, noch als Student, kam der deutsche Regisseur Jan Philipp Weyl zum ersten Mal nach Äthiopien, eingeladen von Karl Heinz Böhm, weil er für dessen Stiftung „Menschen für Menschen” an seiner Schule Spenden gesammelt hatte. Das Land und die Menschen dort haben den gebürtigen Krefelder so beeindruckt, dass er immer wieder zurückkam. Sein Film “Running Against the Wind”, gedreht fast ausschließlich mit äthiopischen Schauspielern und in der Landessprache, war der Beitrag des Landes für die Oscars. Als Kerstin Zilm den 33-jährigen Regisseur in Kalifornien für ein kurzes Interview traf, wurde ein langes Gespräch daraus. Dabei hat Weyl eine Botschaft wiederholt, die die Weltreporterin seither nicht vergessen hat: „Wir müssen alle unseren Träumen folgen, andere inspirieren, dasselbe zu tun, und dadurch die Welt verbessern.”

Kerstin Zilm

Weltreporterin in Los Angeles

zilm@weltreporter.net

 

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Wie leben Kinder rund um den Globus?

Buchcover 100 KinderWenn 100 Kinder stellvertretend für die zwei Milliarden 0- bis 14-Jährigen auf der Welt stehen, tritt Erstaunliches zu Tage: Christoph Drösser hat für sein Buch „100 Kinder” Antworten auf viele Fragen gefunden: Wie sieht ihr Leben aus? Wie viele von ihnen haben genug zu essen, wie viele sind auf der Flucht, wie viele haben ein Fahrrad, wie viele spielen mit Lego? Dafür hat der Weltreporter  Zahlen und Fakten gesammelt,  auf deren Grundlage er den Alltag junger Menschen beschreibt, die auf verschiedenen Kontinenten, in fremden  Kulturen und unterschiedlichen Religionen leben. Illustriert wurde das Kindersachbuch von Nora Coenenberg.

Profilfoto Christoph Drösser

Christoph Drösser

Weltreporter in San Francisco

droesser@weltreporter.net

 

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Touristen auf der Klippe

Der Sommer auf der Südhalbkugel begann im Dezember mit einer Katastrophe: 21 Touristen starben bei dem Vulkanausbruch auf Whakaari (White Island) in Neuseeland. 26 wurden schwer verletzt, auch Deutsche. Manche von ihnen kämpfen nach etlichen Hauttransplantationen und inneren Verätzungen noch immer ums Überleben. Im Ascheregen befanden sich toxische Chemikalien, die zu seltenen Infektionen führen.

Giftig waren auch die Diskussionen, die danach auf hohem Niveau ausbrachen: Wieso durfte die eruptive Insel überhaupt von kommerziellen Reisegruppen besucht werden? Immerhin war das Risiko eines Vulkanausbruchs dort so hoch, dass sich ein renommierter amerikanischer Vulkanologe aus Protest nicht dorthin begeben wollte. Ging den Veranstaltern Geld über Sicherheit?

Das kleine Küstenkaff Whakatane lebt von all den Abenteuerlustigen und Kreuzfahrtpassagieren, die mit dem Boot nach Whakaari übersetzen, dort Gasmasken aufziehen und auch ganz ohne Vulkanausbruch ständig Gefahr laufen, bei einem Fehltritt auf den felsigen Pfaden in einem brodelnden Säuretümpel zu landen. Genau das macht den Reiz aus. Sonst könnte man ja einfach nur YouTube-Videos schauen.

Auch der Tunnel Beach in Dunedin auf der Südinsel mit seinen windgepeitschten Klippen über dem Meer zieht Risikosuchende an. Ein Tunnel aus dem Jahr 1870 führt zu dem einsamen Strand. 2018 brach sich eine deutsche Backpackerin dort ihr Bein, als sie vom Fels abrutschte und um ein Haar 20 Meter in die Tiefe gestürzt wäre. Ihre Rettung war dramatisch bis spektakulär. Da es zu windig für einen Rettungshubschrauber war, mussten sie ein Dutzend Feuerwehrleute bergen.

Einen Monat später wurde am Tunnel Beach eine 120 Meter lange Absperrung gebaut – zusätzlich zu dem bereits vorhandenen Zaun –, um solche Turnereien in Zukunft zu verhindern. Elf neue Schilder wurden angebracht, die vor leichtsinniger Kletterei und Abstürzen warnen. Und was ist seitdem passiert? Genau. Nach der zweitsteilsten Straße der Welt, ebenfalls in Dunedin, sind gewagte Posen auf den abgesperrten Felsen das Instagram-Motiv schlechthin.

Hunderte von Selfies tauchen dort auf: Yoga-Posen, Verrenkungen – selbst ein Handstand an der Stelle, wo die Rucksackreisende im Vorsommer fast zu Tode stürzte. Was kann man daraus für Whakaari lernen, jene auf unbestimmte Zeit gesperrte Vulkaninsel, die zwei der Leichen noch immer nicht frei gegeben hat? Dass Verbote in solchen Fällen selten helfen und unvorhersehbare Risiken in der Natur überall lauern.

Aber vielleicht sollte man all jene, die sich lieber auf eigene Faust und ohne Veranstalter in Gefahr begeben, vorher verpflichten, die Rettungsmannschaften danach aus eigener Tasche zu bezahlen. Vielleicht lässt sich das auch kommerziell als Allroundpaket anbieten: Billigversion mit Go-Pro-Kamera, Luxusvariante mit Fotografen. Insta-Story inklusive.

 

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Mit neuem Vorstand ins Jahr 2020

Kaum war die 15-Jahr-Feier der Weltreporter Ende vergangenen Jahres vorbei, standen die Wahlen des Vorstands an. Fünf Kolleg*innen aus drei Kontinenten werden sich künftig um die Weiterentwicklung des größten Netzwerks freier deutschsprachiger Korrespondent*innen bemühen: Bettina Rühl (Nairobi) als 1. Vorsitzende hat darin ebenso wie ihre Stellvertreterin Sarah Mersch (Tunis) bereits Erfahrung. Auch Schatzmeisterin Tina Schott (Jogjakarta) geht in ihre zweite Amtszeit. Verstärkt wird das Trio durch die Beisitzerin Julia Macher (Barcelona) und den Beisitzer Peter Stäuber (London), die beide erstmals im Vorstand mitarbeiten.

 

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Schottland: Von der Steinzeit bis zum Brexit

Cover Schottland-MagazinSeit fünf Jahren gibt Weltreporterin Nicola de Paoli das Schottland-Magazin heraus. Nun erscheint das Cover im neuen Design: Die aktuelle Ausgabe berichtet über die Ausgrabungen an einer steinzeitlichen Tempelanlage auf den Orkney-Inseln und erkundet, wie sich Schottland nach dem Brexit verändern könnte. Das Schottland-Magazin ist für 6,80 Euro am Kiosk erhältlich oder direkt bei www.schottland.co

Profilfoto

 Nicola de Paoli

Weltreporterin in Edinburgh

paoli@weltreporter.net

 

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Schöner schenken mit den Weltreportern

Weihnachten steht vor der Tür und Sie brauchen dringend noch ein Geschenk? Die Weltreporter bieten Abhilfe! Auf unserem Twitteraccount finden Sie unter #WeltreporterGeschenke nachhaltige Geschenkideen aus allen Weltregionen. Von kenianischen Laufschuhen (auch gut geeignet, um die Vorsätze fürs nächste Jahr sofort in die Tat umzusetzen) über leckere Kleinigkeiten aus Tunesien bis hin zu frischgedrucktem Lesestoff der Weltreporter. Oder wollen sie dieses Jahr weniger konsumieren? Dann verschenken Sie doch eine Patenschaft, zum Beispiel für Elefanten, Nashörner oder Bäume im indonesischen Regenwald. Die können Sie auch auf den letzten Drücker noch erwerben, ohne sich in den hektischen Einkaufstrubel stürzen zu müssen. Schöne Feiertage wünschen Ihnen die Weltreporterinnen und Weltreporter.

 

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Auslandsberichterstattung: Kann das weg?

Screenshot WDR-Beitrag Auslandsberichterstattung WDR 5

“Auslandskorrespondenten machen die Welt verständlich, sie kommen dorthin, wo wir selbst niemals hinkommen und berichten. Diese Funktion ist aber zurzeit gefährdet, denn Verlage und Sender müssen sparen, Und Auslandskorrespondenten kosten nun mal Geld.” Michael Meyer berichtete für WDR 5 Töne, Texte, Bilder über unsere Veranstaltung in der Volksbühne. Beitrag hier anhören.

 

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Buschfeuer wegen Schwulenehe

Letztens war ich in Byron Bay, dem Hippie-Mekka Australiens. Die Sonne überm Strand war schon morgens orangerot, da all der Rauch der Buschfeuer sie vernebelte – selbst in Neuseeland, auf der anderen Seite des Ozeans, sah man das. Je mehr ich Richtung Inland fuhr, ausgerechnet die Tinderbox Road entlang, desto verbrannter roch es. Im schönen Bangalore interviewte ich drei Männer, die sich gemeinsam geheiratet haben.

Der älteste des polyamoren Triplets hat Krebs. Der jüngste von ihnen war mal Pastor, dann wurde er Aktivist. Wir saßen um den Couchtisch mit Glasplatte, dessen Fundament aus einem geschnitzten Nackten mit Riesenpenis besteht, und sprachen über Liebe, Ehrlichkeit, PrEP und Chemotherapie. Den Namen ihres subtropischen Paradieses, lange ein Schwulen-Retreat, durfte ich nicht publizieren. Aus Angst vor Hass-Attacken.

Ich war berührt von dem mutigen Trio. Auch der liebe Gott muss uns zugehört haben. Doch statt seine schützende Hand über die traute Runde zwischen Bali-Dekor und Hochzeitsfotos zu halten, ließ der Herr am folgenden Tage einen seiner getreusten Jünger ein irdisches Machtwort sprechen. Nicht der Klima-Kollaps sei an den verheerenden Feuern schuld. Sondern eine moralische Katastrophe: legalisierte Abtreibung und die Ehe für alle.

Israel Folau, fundamentalistischer Christ und einer der besten Rugbyspieler der Welt, wurde im April wegen seiner homophoben und transphoben Äußerungen aus der australischen Liga gefeuert. Es wurde still um ihn. Doch als der rote Kontinent zum verkohlten wurde, Koalas zu Tausenden starben und Ortschaften evakuiert wurdem, hörte man pünktlich wieder von ihm: „Gott spricht zu uns. Australien, du musst büßen!“

Die Brandbrunst sei laut Folau nur der Vorgeschmack dessen, was dem Homo- und Sodom-Land an weiteren Plagen bevorstehe. Das ging selbst dem erzkonservativen Premierminister Scott Morrison zu weit, der Strafen gegen Klima-Protestler verhängen will. Folaus Kommentare seien „entsetzlich unsensibel“. Das hielt den Hobby-Prediger aber nicht davon ab, letzten Sonntag in einer Kirche in Sydney weiter ins gleiche himmlische Horn zu blasen.

Zuvor hatte er mit seiner Frau in einem veganen Restaurant gegessen. Was Israel und Maria Folau nicht ahnten: Gorilla Kitchen spendete die Einnahmen ihrer Rechnung danach an die  LGBTQ-Organisation Rainbow Youth. „Wir schicken niemanden weg“, so die Betreiber auf Facebook, „wir lieben alle, nicht nur Tiere. Eine Rainbow Youth Spende von Israel Folau… ganz schön komisch, oder?“

Den Scherz hätten sie mal lieber gelassen, da der Rugby-Held einen direkten Draht nach oben hat. Kaum war ich wieder in Christchurch, wurden wir von einem unglaublichen Sommerunwetter überrascht. Ein Tornado tobte durch die Stadt, Blitze schlugen ein, es hagelte Eiskörner so groß wie Münzen. An dem Mini-Armageddon war Folau schuld.