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Leben auf der Flucht

Der Weltreporter-Newsletter im Mai

Editorial, 14. Mai 2021
Liebe Leserinnen und Leser, 

das Drama auf dem Mittelmeer wurde minutiös von freiwilligen Seenotrettern festgehalten: Ein Schlauchboot mit über 120 Menschen an Bord war in Seenot geraten. Doch die Helfer*innen des Rettungsschiffes Ocean Viking und anderer Frachter, die sich auf die Suche gemacht hatten, kamen zu spät: Alle Insassen des Boots ertranken in dieser stürmischen Nacht. Die UNO geht von rund 80 Millionen Menschen aus, die gewaltsam vertrieben wurden oder ihre Heimat aus den unterschiedlichsten Gründen verlassen mussten. Auf dem diesjährigen virtuellen “Earth Day”-Klimagipfel etwa standen die Folgen von extremen Wetterverhältnissen und dem Klimawandel auf der Agenda. Auch das ist zunehmend ein Grund für Menschen, ihre Heimat aufzugeben.

Am 21. Juni ist Weltflüchtlingstag und wir schauen in diesem Newsletter ebenfalls auf das Schicksal von Flüchtlingen und Migrant*innen. Aus Nairobi berichtet Bettina Rühl über die umstrittenen Pläne der kenianischen Regierung, die zwei Flüchtlingslager Dadaab und Kakuma in naher Zukunft zu schließen. Kerstin Schweighöfer erzählt von der Situation in den Niederlanden, in denen mit dem Aufstieg rechtspopulistischer Parteien noch mehr auf Abschreckung in der Flüchtlingspolitik gesetzt wird. In Italien zeigt uns Michaela Namuth, wie nichtstaatliche Organisationen einspringen und Flüchtlingen helfen, unter anderem im Flüchtlingscamp “Baobab” in Rom.

Um den Baobab – allerdings nicht das Flüchtlingslager, sondern den Affenbrotbaum – geht es auch im neuen Buch von Weltreporter Marc Engelhardt. Darin hat er Geschichten rund um den besonderen Baum gesammelt. Nachzulesen ist dies in unserer Rubrik Weltreporter*innen At Work, die sich dieses Mal auch mit Paul Flückigers Reise an die Demarkationslinie auf der Krim und Nicola de Paolis Spurensuche der Hexenverfolgung in Schottland beschäftigt.

Eine gute Zeit und mit besten Grüßen

Tania Krämer

Weltreporterin in Jerusalem

kraemer@weltreporter.net 

 

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Michaela Namuth: Neue Weltreporterin in Rom

Michaela Namuth, Foto Cristina Mastandrea

Michaela Namuth, Foto Cristina Mastandrea

Die Weltreporter haben Zuwachs: Michaela Namuth berichtet seit über 20 Jahren als freie Korrespondentin aus Rom und Italien. Wahrscheinlich gibt es kein Thema über das sie nicht geschrieben hat. Dennoch stößt sie immer wieder auf neue, überraschende Geschichten jenseits der Klischees von Pizza und Mafia. Aber auch diese tragen, so ihre Erfahrung, immer ein Quentchen Wahrheit in sich.

Bei ihren Reportagen fühlte sie dem abgeschotteten Schokofabrikanten Ferrero auf den Zahn und verfolgt die verschlungenen Wege des Medienunternehmers und Politikers Silvio Berlusconi. Sie ließ sich durch die Zitronenhaine der Amalfi-Küste führen und durch halbverlassene kalabrische Dörfer, denen die Aufnahme von Migranten eine neue Zukunft beschert. Sie hat afrikanische Tomatenpflücker interviewt, die von der Agro-Mafia und globalen Handelsketten stranguliert werden. Sie hat mit Claudia Cardinale sizilianischen Wein getrunken und in Genua gelernt, wie man richtiges Pesto zubereitet. Für eine Reisereportage auf den Spuren von Friedrich II. in Apulien wurde sie mit dem Preis “Journalisten des Mittelmeers” ausgezeichnet. Sie interessiert sich für die Architektur der Neuzeit, die der römischen Antike überlässt sie gern anderen.

Beiträge von Namuth sind unter anderem erschienen in Brandeins, Wirtschaftswoche, Facts, Annabelle, Saisonküche, Blick, W&V, Taz und Frankfurter Rundschau. Sie hat in Heidelberg Politikwissenschaft studiert, promoviert und ein Volontariat bei der Wochenzeitung Communale abgeschlossen. 2014 war sie Chefredakteurin der Jahresausgabe des Südtiroler Magazins Nord & Süd.

Michaela Namuth

Weltreporterin in Rom

namuth@weltreporter.net

 

 

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Was ist uns Wasser wert?

Der Weltreporter-Newsletter im März; 16.03.2021

Liebe Leserinnen und Leser,

Mitte Februar schwemmten jede Menge Teerklumpen an die Küste Israels. Es handle sich um eine der schwersten maritimen Umweltkatastrophen der letzten Jahre, so israelische Zeitungen. Ein Schiff soll das Rohöl ins Mittelmeer gekippt haben – die Ermittlungen über die genauen Hintergründe dauern noch an. Das ölverseuchte Wasser ist ein Todesurteil für Meeresschildkröten, Fische und Pflanzen in diesem einzigartigen Ökosystem.

Wenige Kilometer weiter südlich, im abgeriegelten Gazastreifen, kommt seit vielen Jahren oft nur noch salziges, untrinkbares Wasser aus dem Wasserhahn. Viele der rund zwei Millionen Einwohner in dem kleinen Landstrich am Mittelmeer müssen gefiltertes Wasser für den täglichen Gebrauch dazukaufen – wer es sich leisten kann.

Für jeden von uns bedeutet Wasser und der Zugriff darauf etwas anderes. Sicher ist: Das kostbare Element ist keine unendliche Ressource. Der Umgang des Menschen mit den Wasservorräten hat Folgen für die Ökosysteme und führt zu massiver Ungleichheit bis hin zu Konflikten.

Der diesjährige Weltwassertag am 22. März steht unter dem Motto „Wert des Wassers”. Das Weltreporter-Team hat zu diesem „World Water Day“ Geschichten aus den verschiedensten Regionen dieser Erde recherchiert, denn Wasser ist dieses Mal unser Fokus-Thema. Wolf-Dieter Vogel hat Salzfischer auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan besucht. Die Weltreporterinnen Julia Macher, Bettina Rühl und Sarah Mersch sind in einem länderübergreifenden Projekt mit dem Portal RiffReporter dem Thema Trinkwasserknappheit auf dem afrikanischen Kontinent nachgegangen.

An der amerikanischen Westküste schafft es wegen der anhaltenden Dürre mittlerweile sogar der wenige Regen in die Hauptnachrichten, berichtet Kerstin Zilm aus Los Angeles. In den Niederlanden werden dagegen der steigende Meeresspiegel und stärkere Regenfälle immer mehr zum Problem, schreibt Weltreporterin Kerstin Schweighöfer aus Den Haag.

Wasser prägt auch unsere Städte. In der Rubrik „at work“ berichtet Marc Engelhardt von seiner Hörfunk-Reportagereihe über Menschen und ihre Geschichten rund um den Genfer See. Den historischen Besuch von Papst Franziskus im Zweistromland Irak hat Birgit Svensson mitverfolgt. Und auch die Coronavirus-Pandemie beschäftigt uns weiter, mit Geschichten von Danja Antonovic aus Serbien und Christina Schott aus Indonesien.

Viel Spaß beim Lesen,

Tania Krämer

Tania Krämer

Weltreporterin in Jerusalem

kraemer@weltreporter.net 

 

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Mein Bauch, meine Entscheidung?

Der Weltreporter-Newsletter im Februar; 18.02.2021

Liebe Leserinnen und Leser,

in den letzten 60 Jahren, so meldet Amnesty International, haben Regierungen in mehr als 30 Ländern Gesetze geändert, um Frauen einen legalen und sicheren Schwangerschaftsabbruch zu ermöglichen – mal mit mehr, mal mit weniger Einschränkungen und Auflagen. Jüngstes Beispiel: die Argentinierinnen. Mit der Verabschiedung einer Gesetzesvorlage am 30. Dezember 2020 errangen sie einen historischen Sieg, für den sie jahrzehntelang auf die Straße gegangen waren. Die selbstbewussten Spanierinnen – hier auf einem Foto während einer Weltfrauentags-Demonstration – haben sich dieses Recht bereits 2010 erkämpft und nicht mehr nehmen lassen. Ganz anders in Polen: Da gehen Frauen und auch Männer derzeit zu Zehntausenden auf die Straßen, um zu verhindern, dass ihr Land mitten in der Corona-Pandemie das restriktivste Abtreibungsgesetz in Europa bekommt.

Wie ist die Lage in Indonesien und Mexiko? Wie in afrikanischen Ländern? Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März ist unser Fokus-Thema dieses Mal Abtreibung – weltweit nach wie vor sowohl juristisch als auch moralisch umstritten. Für viele Frauen aber ein Grundrecht. Es einzuschränken, und daran lässt auch die UN-Frauenrechtskonvention keinen Zweifel, sei nichts anderes als Diskriminierung.

Zuerst aber erfahren Sie – wie jedes Mal – Aktuelles, Amüsantes und Wissenswertes aus der Weltreporterwerkstatt: Wie es den Koalas in Australien nach der verheerenden Waldbrandsaison geht. Welche musikalischen Spuren deutsche Einwanderer in San Francisco hinterlassen haben. Und unsere serbische Weltreporterin Danja Antonovic verrät Ihnen, wo Bücher, die niemand mehr haben will, vor der Vernichtung gerettet werden.

Veel leesplezier! 

Profilbild Kerstin Schweighöfer

Kerstin Schweighöfer

Weltreporterin in Den Haag

schweighoefer@weltreporter.net

 

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Krankt der Auslandsjournalismus an Corona?

Impfstoffmangel, Virusmutationen und Lockdownregeln füllen die Zeitungsseiten. Bleibt da noch Platz für das, was im Ausland passiert – wenn es nichts mit der Pandemie zu tun hat? Eine der Fragen, über die unser Genfer Weltreporter Marc Engelhardt am 20. Februar beim Journalistentag des DJV Nordrhein-Westfalen mitdiskutiert. Wegen der Pandemieregeln nicht wie geplant live in Dortmund, sondern live im Netz. Dabei geht es auch um vieles, woran der Auslandsjournalismus schon vor Covid-19 krankte: schwindende Ressourcen, ausgedünnte Redaktionen, ein Fokus auf (zu) wenige Länder. Was tun? Auch darüber wird die von Andrea Hansen moderierte Runde diskutieren. Termin: Samstag, 20. Februar – 13-13:45 Uhr; hier geht es zum Programm. Übrigens: Zum gleichen Thema haben Weltreporter aus Shanghai, Kabul, Kairo, Nairobi und Genf erst kürzlich eine Live-Sendung gemacht – „Welt ohne Reporter*innen“ finden Sie hier.

Profilbild Marc Engelhardt

      Marc Engelhardt

Weltreporter in Genf

engelhardt@weltreporter.net

 

 

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Verschwörungsmode

Wir leben im Paralleluniversum: Sommerpartys, Segelregatten und nur 25 Coronatote seit der Pandemie. Das Virus haben wir im Griff, die Verseuchung der Hirne jedoch nicht. Rechter Verschwörungsglaube treibt auch in Neuseeland seltsame Blüten, besonders modische. Der Stürmer-Look von Capitol Hill hat den America’s Cup in Auckland erreicht. Und der QAnon-Irrsinn, kurz Quirrsinn, eine berühmte Dessous-Firma.

Unter Neuseelands Superreichen, die Champagner am Hafen trinken, tauchte zum Regattastart am Wochenende auch Ollie Wall auf. Er ist Makler und Sohn des Immobilienmoguls Graham Wall. Der ist eng mit dem deutschen Milliardär Peter Thiel verbandelt, der auf dubiosem Wege neuseeländischer Staatsbürger und zur umstrittenen Figur Down Under wurde. Jetzt hat Wall Junior seinen eigenen Skandal – nachdem er ein Foto von sich postete, auf dem er dem Segelteam American Magic zujubelt.

„We stormin’ the water“, steht darauf. Auf dem Kopf trug Wall eine Fellkappe mit Hörnern – Abziehbild des „Q-Schamanen“ und Schauspielers Jack Angeli beim Sturm aufs Kapitol in Washington. Walls rechte Hand hielt ein Megafon, die linke Pranke ruhte auf der Brust einer jungen Frau, und der nackte Torso war mit den Symbolen verziert, die sein amerikanischer Doppelgänger bereits als Tattoo ausgeführt hatte: Thors Hammer und andere Neonazi-Embleme. Auf dem Arm prangte Trumps Mexiko-Mauer.

So reich, so dumm. In einer öffentlichen PR-Entschuldigung behauptete der Segelfan am nächsten Tag, keine Ahnung von der politischen Bedeutung seines Kostüms gehabt zu haben – obwohl eine seiner Insta-Stories den Titel „Storm the capitol!“ trug. Ähnlich unglaubwürdig ahnungslos und noch schlimmer agierten zuletzt andere betuchte Influencer aus Auckland: die Besitzer der Dessous-Firma Lonely, Neuseelands erfolgreichster Mode-Export und Liebling in Hollywood.

Die Kardashians sind erklärte Lonely-Fans, „Girls“-Stars Lena Dunham und Jemima Kirke modelten BHs für sie – umsonst, da die Wäschemarke mit positivem Körpergefühl in allen Größen warb. Die progressive Unterwäsche bekam im letzten Jahr jedoch braune Spuren. Firmenchef Steve Ferguson haute monatelang verstrahlte Social-Media-Post raus: von Pizzagate bis „Covid is fake“, „climate change is fake news“ und „Jacinda Ardern is a transsexual Elite Cabalist“. Q-Schlüpfer statt G-Strings.

Als Zwangsideologie von oben kursierte in der Firma außerdem „Starseeds“, eine Art UFO-Religion aus Kalifornien. Als der Rechtsruck der New-Ager aufflog, redeten sie sich damit heraus, ihre Profile seien gehackt worden. Ob ihr neuer Flagship-Laden in Los Angeles jemals eröffnet wird, ist noch unklar. Und auch für Ollie Walls Favorit American Magic sieht es schlecht aus: Anfang der Woche kenterte deren Jacht im Hafen von Auckland. „Patriot“ heißt sie.

 

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Auslandkorrespondent des Jahres: Weltreporter Karim El-Gawhary

Herzlichen Glückwunsch an Nahost-Weltreporter Karim El-Gawhary: Bereits zum fünften Mal wurde er von den österreichischen Chefredakteuren zum Auslandskorrespondenten des Jahres gewählt. „Er gab dem Arabischen Frühling eine Stimme“, heißt es in der Begründung der Jury. Karim El-Gawhary leitet seit 2004 das Kairoer Büro des ORF und kümmert sich von dort aus um den gesamten arabischen Raum.

Hier geht es zu einem Interview mit ihm auf Bayern 2 in der Sendung “Eins zu Eins. Der Talk”.

 

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Neues Buch: “Wenn die Dinge mit uns reden”

Die Sprache ist das neue Interface zwischen Mensch und Maschine. Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte sprechen wir mit anderen “Wesen” – und die antworten sogar. Weltreporter Christoph Drösser (San Francisco) wirft in seinem aktuellen Buch “Wenn die Dinge mit uns reden” (Duden-Verlag) einen Blick auf die aktuellen Entwicklungen in der Sprachtechnik, schaut aber auch zurück auf die erste sprechende Maschine, die vor über 200 Jahren gebaut wurde. Er lotet die linguistischen und philosophischen Probleme aus, vor die uns die sprechenden Maschinen stellen.

Der Computerpionier Alan Turing postulierte im Jahr 1950 ein Kriterium dafür, wann wir eine Maschine intelligent nennen können: nämlich dann, wenn sie uns in einem frei geführten Dialog (damals noch per Tastatur) davon überzeugen kann, dass sie ein Mensch ist. Heute bewältigen Maschinen diesen Turing-Test in fast perfekter Manier. Sie führen im Chat einen Smalltalk zu beliebigen Themen, ihre Stimmen sind inzwischen sehr menschlich, sie fügen sogar “hmms” und “ähs” in ihren Sprachfluss ein. Zuhörer merken kaum noch, dass sie es mit einem Computer zu tun haben. Die sogenannten Sprachmodelle wie BERT oder GPT-3 verfassen frei erfundene Texte zu beliebigen Themen, die Menschen kaum von echten Zeitungsmeldungen unterscheiden können. Sind die Maschinen deshalb intelligent? Selbst die Schöpfer dieser Algorithmen würden das nicht behaupten.

Natürlich werfen diese Technologien, die sich in den vergangenen Jahren durch den Einsatz von Deep Learning rasant entwickelt haben, auch Probleme auf: Wenn die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine de facto von zwei Konzernen (Amazon und Google) beherrscht wird, dann stellt das die Freiheit des Internet infrage. Und wir werden in Zukunft große Probleme haben, am Fließband produzierte Fake News und Deepfake-Videos von echten Nachrichten und Filmen zu unterscheiden.

 

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Weltreporter live: Unterwegs in der neuen Zeit

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Weltreporter live #3

Welt ohne Reporter*innen?
Das Verschwinden der Auslandsberichterstattung

eine digitale Veranstaltung von weltreporter.net/live am 15.12.2020 um 18 Uhr

Ausgedünnte Redaktionen, schwindende Budgets und wachsender Druck auf unabhängige Berichterstatter in vielen Ländern: drei von vielen Problemen, die die Arbeit von Korrespondentinnen und Korrespondenten erschweren. Die Corona-Pandemie verdüstert die Lage noch weiter. Dabei sind in Zeiten von Fakenews, Propaganda und Verschwörungserzählungen zuverlässige Nachrichten aus dem Ausland so wichtig wie nie. Über die aktuellen Herausforderungen der Auslandsberichterstatter und mögliche Wege aus der Krise diskutieren Weltreporterinnen und Weltreporter aus Beirut, Kairo, Nairobi und Shanghai. Sie berichten von ihren Erfahrungen, kommentieren eine aktuelle Umfrage unter Auslandskorrespondent*innen und stellen sich den Fragen der Zuschauerinnen und Zuschauer. Moderiert wird die Sendung von Weltreporter Marc Engelhardt aus Genf.

Mit dabei:

Theresa Breuer, Beirut – berichtet aus Kriegs- und Krisengebieten wie Afghanistan, wo sie – mit Afghaninnen – einen Film über ein medial vernachlässigtes Thema mit starken Frauen gemacht hat

Philipp Mattheis, Shanghai, ex Hamburg – berichtet aus einer Autokratie, in der es immer schwerer wird, Fakten zu sichern und Meinungen einzuholen; dabei bringt er sich potentiell auch selbst in Gefahr

Bettina Rühl, Nairobi – kennt aus ihrem Berichtsgebiet Krisengebiete (Somalia) ebenso wie Autokratien; muss sich oft auf Aussagen von NGOs verlassen, um aktuell berichten zu können; Anfang Jahr hat sie die Afrikareporter gegründet, um selbst Schwerpunkte zu setzen

Jürgen Stryjak, Kairo – deckt aus dem Studio in Kairo ein Berichtsgebiet mit zahlreichen Kriegen und Konflikten (Syrien, Jemen, Libyen) ab und ist täglich mit der Frage konfrontiert, was man dort wissen kann; vor lauter Krisen kommen Alltagsgeschichten oft zu kurz

Moderation: Marc Engelhardt, Genf

 

Einladung für den 15.12. als PDF. Aufzeichnung hier:

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Über die Reihe

Weltreporter live: Unterwegs in der neuen Zeit

ist eine digitale Veranstaltungsreihe des Weltreporter*innen-Netzwerks. Aufzeichnungen bisheriger Veranstaltungen siehe unten.

Was passiert da gerade in der Welt? Lassen Sie sich von unseren Weltreporter*innen mitnehmen an Orte rund um den Erdball. Orte, an denen sie seit Jahren leben und arbeiten. Lassen Sie sich erzählen, was in den USA jenseits von Trump passiert. Wie Corona Gesellschaften verändert und wie man als Journalist*in damit umgeht – und wie gefährlich es für uns alle ist, wenn aus manchen Regionen oder Ländern gar nicht mehr oder nur im Krisenfall berichtet wird. Das alles in interaktiven Live-Sendungen mit mehreren Weltreporter*innen, die Ihnen im Gespräch, aber auch durch Video- und Audiozuspieler aus ihren Ländern und über ihre Arbeit berichten. Und Sie, liebes Publikum, sind live dabei, stellen Fragen, bekommen Antworten, raten mit und lernen die Weltreporter*innen und ihre Arbeit kennen. Schauen Sie mit unseren Augen auf die Welt. Wir freuen uns auf Sie und Ihre Fragen!

 

29. Oktober 2020, 18 Uhr: Alles Trump? Die USA jenseits der Schlagzeilen

mit Christoph Drösser (San Francisco, USA), Arndt Peltner (Oakland, USA), Kerstin Zilm (Los Angeles, USA) und Wolf-Dieter Vogel (Oaxaca, Mexiko). Moderation: Bettina Rühl (Nairobi, Kenia)

 

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19. November 2020, 18 Uhr: Normaler Notstand? Leben und Arbeiten in der Pandemie

Wie hat sich der Arbeitsalltag der Weltreporter*innen durch die Pandemie verändert? Warum hat die Prävention an manchen Orten gut geklappt, an manchen nicht und was kann man daraus für die Zukunft lernen?

mit Karen Naundorf (Argentinien), Christine Wollowski (Brasilien), Leonie March (Südafrika) und Klaus Bardenhagen (Taiwan). Moderation: Julia Macher (Barcelona, Spanien)

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15. Dezember 2020, 18.00 – 18.45 Uhr: Welt ohne Reporter*innen? Das Verschwinden der Auslandberichterstattung
Moderation: Marc Engelhardt (Genf, Schweiz)

Anmeldung zur Weltreporter Live–Sendung am 15.12. (Zoom)

weltreporter.net ist das größte Netzwerk freier deutschsprachiger Auslandskorrespondent*innen. 46 Journalist*innen berichten aus mehr als 160 Ländern – aktuell, kontinuierlich und mit fundiertem Hintergrundwissen.

Logo Weltreporter Live

Diese Ankündigung der Reihe als PDF

 

 

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Global Climate Action: Statement von Novia Adventy Juran, 23, Umweltaktivistin aus Borneo

In der Vergangenheit hat die Welt meine Heimat Borneo in seiner Exotik gesehen und nannte sie die „Lunge der Erde“ – darin klingen all die Hoffnungen auf die Schönheit und Gnade Gottes mit. Doch dieses Borneo ist nicht mehr da, verändert, jetzt sprechen alle nun noch über das unglückliche Schicksal der Insel, die zerstört und ausgeplündert wird. Ich bin hier geboren und fühle mich verpflichtet, die Umwelt meiner Heimat zu erhalten und zu schützen. Daher engagiere ich mich beim Borneo Institut in der indonesischen Stadt Palangkaraya. Hier haben wir ein Forum eingerichtet, wo alle Ebenen der Gesellschaft in einen Dialog miteinander treten können. Wir versuchen, die Sensibilität der Menschen zu schärfen für (wirtschaftliche) Richtlinien, die Umweltschäden mitverursachen.

Die Hauptursache für die Umweltzerstörung auf Borneo sind der Ausbau von Ölpalmenplantagen und der Bergbau, die sich auch auf den Klimawandel auswirken. Wälder, in denen Flora und Fauna beheimatet sind, werden gerodet und durch Plantagen oder Minen ersetzt. Diese Situation ist kritisch und besorgniserregend. Fast alle Gebiete in Zentral-Borneo sind mittlerweile von Überschwemmungen, Erdrutschen und Flächenbränden bedroht. Diese gefährlichen Folgen der Umweltzerstörung sind weder ein Fluch Gottes noch eine Glaubensprüfung. Sie sind die Schuld von Menschen, die sich nicht um die Natur scheren. Dies ist eine logische Folge der Gier einer Handvoll Menschen, die Macht über andere Menschen ausüben und ihre eigenen Interessen über die der Gemeinschaft stellen.

Diese Situation verschärft sich, wenn der Staat sich nicht auf die Seite des Volkes. Statt ökologische Nachhaltigkeit zu verteidigen, schlagen und verfolgen Militär und Polizei Menschen, die sich für die Umwelt einsetzen. Selbst gewöhnliche Umweltaktivisten werden kriminalisiert und beschuldigt, Fortschritt und Entwicklung zu behindern. 2018 war ich selbst mit Provokationen von staatlichen Institutionen konfrontiert, die Gewohnheitsrechte der Einwohner kriminalisieren wollten. Solche Erfahrungen verleiten manchmal, gleichgültig zu werden. Doch meine Liebe und mein Respekt für dieses Land haben mich für einen harten Kampf geschmiedet.

Wir hoffen, dass Länder in Europa und insbesondere Deutschland – als Land, das sich um ökologische Nachhaltigkeit und Menschenrechte bemüht – weiterhin ein Klima der Demokratie schaffen. Ein Klima, das eine ökologische Perspektive vermittelt und die Umwelt und die gesamte Schöpfung schützt. Darüberhinaus hoffen wir auch auf eine Anerkennung und Unterstützung für die indigenen Völker, weil diese ausgezeichnete Umweltschützer sind: Sie sehen die Wälder als ihre „Mütter“ und den Schutz der Natur setzen sie gleich mit dem Schutz der Gebärmutter der Menschheit. Wir müssen von unseren Vorfahren lernen, wie wichtig der Schutz der Umwelt für die Erde ist, auf der wir leben. Ich hoffe, dass sie zum Vorbild für die jüngere Generation werden können, um die Umwelt weiter zu bewahren und ökologische Gerechtigkeit zu vermitteln.